Osteuropa in der Krise

Haben viele den österreichischen Staatsbankrott vor wenigen Monaten noch für ein Hirngespinst gehalten, zeigt die Debatte der vergangenen Tage, dass der Gedanke nicht ganz so weit hergeholt ist. Nobelpreisträger Krugman, vor ein paar Wochen noch gehypt, wird nun für seine realistische Einschätzung der Lage österreichischer Banken verteufelt.

Es passiert ja auch nicht täglich, dass Bankenrettungspakete mit einem Volumen von 100 Milliarden Euro, immerhin ca. 40% des österreichischen BIP, locker gemacht werden! Alles nur der Vorsorge halber, versichert uns die Politik – doch haben alleine in Rumänien österreichische KreditgeberInnen 45,5 Milliarden US-Dollar an Außenständen angesammelt – wieviel davon wieder auftaucht, ist mehr als fraglich.

Nach mittlerweile 20 Jahren Kapitalismus in Osteuropa beginnen die Illusionen in diesen zu schwinden. Die trügerische (relative) Stabilität der letzten Jahre ist vorbei. Nicht nur Osteuropa-AnlegerInnen werden unruhiger, in Rumänien werden bereits die Löhne im öffentlichen Dienst eingefroren, um die Auflagen des IWF für Kredite in der Höhe von 19,95 Milliarden Euro erfüllen zu können. Die Inflation hat im Jänner 10,1% der Nettolöhne gefressen. Die ArbeiterInnenbewegung, die 2007 und 2008 einige (Lohn)Kämpfe gewonnen hat, wird die Folgen der Krise nicht kampflos ausbaden!

Noch drastischer sind die Vorhaben der neuen ungarischen "Expertenregierung" unter Führung von Gordon Bajnai, welche bei allen Berufs- und Altergruppen den Rotstift ansetzen will. Aber auch die ungarische ArbeiterInnenklasse hat in den vergangenen Jahren öfter bewiesen ,dass sie sich wehren kann!

Der Klassenkampf in Osteuropa wird aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtung gerade auch Österreich betreffen – und die Führung des ÖGB täte gut daran, jetzt schon zu überlegen, wie sie auf die kommenden Arbeitskämpfe bei den Auslandstöchtern von Erste Bank, OMV&Co. reagieren soll und diese unterstützt. Unsere Empfehlung ist die gute alte Losung: ArbeiterInnen aller Länder vereinigt euch!

Der Autor berichtet in unregelmäßigen Abständen für die Kampagne "Wir sind ÖGB" aus Osteuropa.

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